Hamburg

BatCities – Nordlichter im Fledermausschutz

Freitag, Juni 9, 2017
BatCities – Nordlichter im Fledermausschutz
Ein eigenes Label !

Hamburg ist eine der favorisierten Destinationen, wenn es uns in den hohen Norden zieht. Hafenstadt, Welthandelsumschlagplatz, St. Pauli, Alster und Hans Albert. Doch Hamburg hat noch meer (!) zu bieten. Die Stadt beherbergt neben der Astra-Brauerei noch 14 Fledermausarten. Damit ist sie (Hamburg) prädestiniert, eine Fledermausstadt zu werden. Die BatCity Hamburg braucht mehr engagierte Fledermausschützer…. und die konnte sie finden, im BatCities-Seminar. Und so gings los:

5. Mai – NABU Landesgeschäftsstelle Hamburg, die Uhr schlägt 17. Erste Gäste treffen ein. Der Konferenzsaal ist vorbereitet, der Beamer läuft, Materialien liegen am Platz, Ansichtsliteratur aus. Hamburger Fledermausexperte Holger Reimers macht sich warm.

Na, da kann’s ja los gehen !

Theorie vermitteln, das ist nicht einfach. Besonders Fledermäuse sind so fürchterlich kompliziert: Fliegende Säugetiere, allein das schon! Dann auch noch bioakustische Orientierung, Winterschlaf, Spermienkonservierung (In Fachkreisen auch Spermatogenese genannt!) über die Wintermonate. Mein lieber Scholli! Und dann die ganzen Quartiere: Tagesquartier, Schwärmquartier, Wochenstube, Winterquartier…und dann ziehen manche von den paar Gramm leichten Viechern noch aus dem Baltikum über Deutschland nach Südfrankreich. Kann man sich garnicht ausdenken, sowas. Und nun auch noch schützen wollen – das soll mir doch mal einer genauer erklären!

Und genau dazu ist Holger Reimers da. Als erfahrener Fledermausforscher leitet er nach einer üppigen und sehr herzlichen Begrüßungsrunde mit norddeutscher Gelassenheit die harte Realität ein. Die Besucher wollen etwas über Fledermäuse erfahren? Sollen sie haben – und zwar den ganzen Batzen!

Aufschlag Biologie, rechts angetäuscht, Evolution! 50 Millionen Jahre alt, zack, das sitzt…Aktiver Flug unter Säugetieren links, Ultraschallorientierung bei völliger Dunkelheit rechts, Pass zum Artenspekturm: 25 heimische Arten in Deutschland, 14 in Hamburg…Schädelskizzen, Gebissarten, Anatomie, Insektenfresser, Jagdverhalten uuuund Abpfiff: Pause…

Die erste Halbzeit des ersten Tages, ein eindeutiger Vorteil für die Fledermäuse. Jetzt schnell in die Kabine zu Kaffee, Tee, Saft und Wasser – Batterien aufladen.

Der zweite Teil vertiefte noch einmal die Bioakustik. Die Lauterzeugung der Tiere und deren unterschiedliche Eigenschaften galt es zu verstehen. Trockener als die trockensten Rufe der Wasserfledermaus durch den Fledermausdetektor (Flederspezies lachen sich bei diesem Witz kringelig 😉 ). Aber: Für eine korrekte Bestimmung im Feld ist die Theorie so notwendig wie das Amen in der Kirche oder ein Papst im Petersdom.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aktiv dabei. Fragen werden eingeworfen, wann immer sie aufkommen. “Warum kennt man nur so wenige Quartiere?”, “Welche Gefahren gibt es für den Menschen?” oder “Balz? Bei Fledermäusen?” sind gern aufgenommene Fragen. Sie werden rasch und umfassend beantwortet.

Immer wieder Bioakustik Sie taucht überall auf. cf-Rufe, fm-Rufe, qcf-Rufe, fm-qcf-Rufe, wait! what? Doch Holger Reimers bleibt gelassen. Er weiß, dieses Thema ist wichtig und braucht Zeit. “Als ob Fledermäuse die ganze Zeit nur rumschreien würden!” – Ja, das tun sie, also meistens. Sobald es auf die Jagd geht, schreien die Tiere die ganze Nacht herum. Vergleichbar mit einem früheren Bayern München-Trainer, nur mit dem Schalldruckpegel eines Strahltriebwerkes (~120 Dezibel +). Bemerkenswert, wobei Fledermäuse diese Rufe lediglich mit Stimmbändern und Kehlkopf erzeugen. Ein enormer Kraftakt!

Teilnehmer füllten den Konferenzsaaltik!

Am Ende des ersten Tages sind alle geschafft, aber zufrieden und gespannt auf den kommenden Morgen. Der nämlich startet im Boberger Dünenhaus, einem Naturschutzzentrum der Loki-Schmidt-Stiftung in den Boberger Dünen. Sehr faszinierende Landschaft in Hamburg Billwerder! Themenschwerpunkte: Vorstellung der heimischen Arten und ihrer Besonderheiten, Krankheiten bei Fledermäusen sowie praktische Arbeit am Fledermausdetektor.

6. Mai, unheilige 10:00 Uhr an einem Samstag Morgen. Passt doch hervorragend zu den mystifizierenden Vorurteilen, die den Fledertieren noch vor die Flügelchen geworfen werden. Das Wetter spielt mit und die Anreise der Teilnehmerinnen und Teilnehmer funktioniert tadellos, wenngleich auch mit ausgereizter akademischer Viertelstunde;-)

Unten rechts: der jüngste Teilnehmer 😉

Los geht die wilde Reise durch die Fledermausnachbarschaft. Langohren, Hufeisennasen, Glattnasen…Von der Alpen- bis zur Zwergfledermaus, 25 Arten. Pausen gibt es selbstverständlich auch hier. Die Runde ist offen und neugierig. Selbst der jüngte Zuwachs gibt hin und wieder einen Kommentar zum Besten.

Im Nachmittag geht es dann ans Eingemachte. Holger Reimers baut Technik auf. Eine ganze Reihe verschiedener Detektoren nebst Ultraschalllautsprecher und Handysonagramm. Alles, was das junge Fledermausschutzherz begehrt.

Eine Einführung in die unterschiedlichen Detektortypen beginnt. Da gibt es dann Zeitdehnungsdetektoren, Teilerdetektoren und Mischerdetektoren. So sieht das aus! Doch für unsere Zwecke, so der Fledermausexperte, fällt die Wahl auf den Mischerdetektor. Der Mischerdetektor ist sozusagen der VW-Bus unter den Detektoren. Vielseitig und nicht zu teuer! (Das war zumindest früher so) Hier werden die Rufe in einem zwar engen, aber dafür einstellbaren Frequenzfenster dargestellt. Jutt, dann mal nichts wie ran…

Der Fledermausexperte in seinem Element
Von Fledermäusen fasziniert!

Geräte auf “On” und los geht das Geploppe, -piepse und Gerattere. Die Detektoren laufen heiß. Erprobt werden in Hamburg häufig anzutreffende und mit dem Detektor leicht bestimmbare Arten wie u.a Zwerg- und Breitflügelfledermaus, Wasserfledermaus oder der Große Abendsegler. Holger Reimers spielt sie über den Ultraschalllautsprecher ab. Unhörbar für das menschliche Gehör.

Der Nachmittag neigt sich schnell dem Ende zu. Kurz nach 18 Uhr ist dann Schicht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind natürlich erschöpft, genau wie der Referent. Doch alle sind glücklich und zufrieden über so viele neue und interessante Informationen und Bekanntschaften und freuen sich bereits auf die kommende Veranstaltung.

Vielen Dank für das gelungene Wochenende!

Sebastian Kolberg

Sebastian Kolberg

NABU-Fledermausexperte

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